Studierende mit Überraschungsei

„Sooo süß!“ Diesen Ausruf höre ich fast täglich und er fasst eigentlich auch ganz gut mein Leben in dem letzten Jahr zusammen. Seit etwa einem Jahr habe ich nämlich einen Titel: „Studierende mit Kind“. Aber was bedeutet das eigentlich? Und was machen diese Verrückten die sich diesen Titel zulegen den ganzen Tag? Hier mein Versuch einer kurzen Erläuterung:

„Studierende mit Kind“ kann man aus unterschiedlichsten Gründen werden, welche aber weniger wichtig sind. Wichtig ist eigentlich nur, dass man es wird. Alles was vor der Titelverleihung passiert, gehört zu einem anderen Leben, denn danach ändert sich wirklich alles. Okay, ich gebe zu, dass das erst einmal Angst machen kann. Ehrlicherweise muss ich auch erwähnen, dass es richtig fiese Zeiten gibt mit so einem kleinen Wesen als Mitbewohner. Aber wenn ich meine, dass sich alles ändert, meine ich, dass es besser wird. Zumindest war das bei mir so.

Aber vorab, ein paar der Sachen, die nicht besser werden: Wenn ich vorher gewusst hätte, wie geil Durchschlafen, Ausschlafen und alle anderen Formen von Schlafen sind, hätte ich es noch viel viel viel mehr gemacht. Und ich habe immer schon viel geschlafen. Außerdem hasse ich es, dass ich dauernd mein Shirt wechseln muss, weil Babysabber, Schnodder oder Breiflecken darauf kleben. Am schlimmsten ist aber das Gefühl, wenn einem auf dem Kinderspielplatz der Sand in die Ballerinas rieselt. Uaaagh! Aber mal ehrlich: welcher Student hat eine gesunde Einstellung zum Thema Schlafen und ist es nicht auch ein bisschen glamourös täglich in drei verschiedene Outfits zu schlüpfen?

Aber wie sieht denn nun ein Tag als „Studierende mit Kind“ aus? Wenn ich nicht gerade am Dienstag die vierte Wäsche der Woche anstelle oder angesabberte Möhrchen unterm Tisch aufsammele, habe ich den Spaß meines Lebens. Erst wollte ich versuchen euch das kleine Chaos, was mein Leben beherrscht, mit Hilfe eines typischen Tagesablaufs darzustellen. Aber mir wurde klar, dass es den nicht gibt, diesen typischen Tagesablauf. Klar gibt es die täglichen Fütterungszeiten für das kleine Breimonster und die beiden Schlafphasen, von der sich eine irgendwann vormittags befindet und die andere irgendwann nachmittags. Aber dazwischen ist alles offen. Dazwischen wird gelacht, wenn das Krabbeltier in einen leeren Koffer gekrabbelt ist und geweint, wenn man merkt, dass man nicht mehr ohne Hilfe hinauskommt. An jedem Tag erwartet mich also eine neue Überraschung.

Vielleicht entspricht es nicht dem „typischen“ Bild einer Familie, wenn ein oder beide Elternteile noch studieren, aber was gibt es denn eigentlich dagegen einzuwenden? Neben diversen finanziellen Vorteilen (Elterngeld, Kindergeld, BAFöG-Verlängerung, BAFöG-Zuschuss, Unterstützung durch diverse Stiftungen, etc.) gibt es noch etliche Beratungsstellen, bei denen man sich kostenlos Rat suchen kann wenn einen die Situation überfordert (Die super nette Frau Kammler von UniBambinOS, kirchliche Stellen wie z.B. Diakonie, städtische Stellen, eine „Babysprechstunde“, www.mit-kind-studieren.de, etc.). Außerdem stellt das Studentenwerk sehr schöne und günstige Wohnungen für Studierende mit Kind und tolle Kitas in der Nähe der Unigebäude bereit. Und wenn man dann nach eventuell ein, zwei oder mehr Semestern über der Regestudienzeit sein Studium beendet, kann man vielleicht sogar direkt in den Beruf starten und hat die „Familienplanung“ schon hinter sich. Klar, dass immer irgendetwas dazwischen kommen kann und das Kind am Tag einer wichtigen Prüfung krank wird. Aber auch dafür gibt es immer irgendeine Lösung und so etwas schult auch unglaublich Managementqualitäten. Und nicht nur das. Mit Kind studieren hat mich insgesamt in meiner persönlichen Entwicklung enorm weitergebracht. Und weil ich das vorher niemals so gesehen hätte schreibe ich euch diesen Artikel unter dem Titel „Studierende mit Überraschungsei“ denn das ist es was „Studierende mit Kind“ wirklich bedeutet. Man weiß nie wirklich, was einen erwartet, außer, dass es super süß und super lustig wird.

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